Samstag, 08.02.2014 – Vortrag: Karl Mays Autobiografie — zwischen Facts und Fiction, Berlin
(bekannt gemacht am 26.01.2014)

Information: Vortrag von Johannes Zeilinger
Die primäre Bedeutung von Mays Autobiografie lag schon immer in seinem Informationsgehalt zu Leben und Streben des Autors. Selbst Hans Woll­schläger, der die Schrift als »literarisches Ereignis« beurteilt hat, meinte, hier »erreicht auch die faktische Wahrheit ein bei Selbstbiographien durch­aus ungewöhnlich hohes Maß«.
Nun sind, was in der Karl-May-Forschung häufig vergessen wurde, Selbst- oder Autobiografien keineswegs objektive Lebensberichte, und Hainer Plaul warnte: »Selbstbiographien gehören in der Regel zu jener Kategorie von Quellen, die für wissenschaftliche Studien nur unter gewissen Vorbehalten herangezogen werden können.« Denn »in der dabei unvermeidlichen Vermi­schung von Erlebtem und Erdachtem, von Realem und Subjektivem besteht (…) ihre Problematik.«
Nun war diese Gefahr schon lange vor Plaul bekannt, Goethe etwa fügte dem Titel seiner Selbstbiografie »Aus meinem Leben« den Zusatz »Dichtung und Wahrheit« hinzu, und ein Zeitgenosse Mays, Theodor Fontane, nannte seine Kindheitserinnerungen einen »autobiographischen Roman«. Wollen wir also über Mays Selbstdarstellung reden, so müssen wir uns auch mit dem Genre der Autobiografien und überhaupt mit den Formen menschlichen Er­innerns befassen.
Ort: Homburger Straße 8 II, 14197 Berlin-Wilmersdorf